Lorscher Esel leben jetzt in Einhausen

Verein "Noteselhilfe" brachte das Duo auf dem Reiterhof von Fritz Glanzner unter

Von unserem Mitarbeiter Norbert Weinbach

Einhausen. Nach zweieinhalb Stunden Fußmarsch - begleitet von Rundfunk und Fernsehen - erreichten die beiden jungen Esel Hella (zwei Jahre) und Jupiter (vier Jahre) aus Lorsch ihr neues Zuhause auf dem Reiterhof Glanzner in Einhausen.

Die über 20 auf der Weide stehenden Pferde spielten ein wenig verrückt, als sie die neuen "Hofgenossen" witterten. Auch wenn sie sich bis an den Zaun trauten, so richtig anfreunden konnten sie sich auf Anhieb mit der fremden Art noch nicht. Das ging auch dem Hofhund nicht anders. Lediglich die Kinder, die auf der Anlage spielten, hatten die Esel sofort in ihr Herz geschlossen. Und die ließen sich von den Kindern auch anstandslos streicheln.

HR drehte Film und . . .

Das HR-Fernsehen drehte einen langen Film vom Marsch der Tiere und der Ankunft in ihrer neuen Heimat. In der Hessenschau dürfte am heutigen Dienstag oder Mittwoch eine Kurzversion zu sehen sein. Zu der Zeit wird auch das HR-Radio einen Bericht ausstrahlen.

Durch unsere Zeitung waren Fernsehen und Rundfunk auf die Geschichte aufmerksam geworden. Pia Brunnengräber vom Verein "Noteselhilfe" aus Lorsch, selbst Besitzerin von drei Eseln, hatte die Tiere in ihre Obhut genommen und suchte via Internet neue Pflegeeltern für die kinderlieben Esel. Geglückt ist ihr das aber erst, als sie sich an unsere Zeitung wandte und die Geschichte der Tiergeschwister dort veröffentlicht wurde.

Da meldeten sich plötzlich rund 40 Interessenten, berichtete sie. Viele von ihnen hätten die Bedingungen erfüllen können, die der Verein für die artgerechte Unterbringung der Tiere forderte. Es sei daher schwer gewesen, die richtige Auswahl zu treffen. Letztlich habe sie sich für den Reiterhof von Norbert Glanzner und seiner Lebensgefährtin Susanne Schwöbel in Einhausen entschieden.

Ausschlaggebend sei gewesen, dass es auf diesem Hof nicht nur viele Pferde gebe, sondern dort auch immer viele Kinder anwesend seien, die sich an den Eseln erfreuten. Die brauchten die Geselligkeit von Kindern, versicherte sie. Auch in Lorsch, wo die Tiere sechs Wochen bei ihrer Großmutter Irmgard Brunnengräber in der Biengartenstraße untergebracht gewesen seien, hätten sie immer mit den Nachbarskindern gespielt. Nach sechs Wochen hätten sie sich sehr an die beiden Esel gewöhnt, unterdrückten Pia und Irmgard Brunnengräber manche Träne, da falle der Abschied jetzt nicht leicht.

. . . produzierte Radiobeitrag

Norbert Glanzner, dessen Großvater das landwirtschaftliche Anwesen der Familie bereits 1980 ausgesiedelt hatte, hat 2002 den Hof übernommen, umgestellt von der für ihn unrentablen Milchwirtschaft auf Pferdehaltung und das Anwesen entsprechend ausgebaut. Eigener Getreideanbau und eigene Wiesen ermöglichten es, hier viele Pferde zu halten, erzählte er. Heute habe er 27 Pferde dort untergebracht, eigene und Tiere, deren Besitzer sich dort eingemietet hätten. Sie alle seien in erster Linie Freizeitreiter, hätten Spaß an Pferden. Zu ihm dürften auch Kinder kommen und sich an den Tieren erfreuen.

"Da haben die beiden Esel ausgezeichnet dazugepasst", begründete er seinen Entschluss, sich um die Tiere zu bewerben. Auf seinem Reiterhof wird auch die Behindertenhilfe Bergstraße unterstützt und er bemüht sich zurzeit darum, eine Lizenz für ein therapeutisches Reiten für behinderte Kinder zu bekommen. Hella und Jupiter fühlten sich auf Anhieb wohl in ihrem neuen Quartier. Pia Brunnengräber will sie dennoch hin und wieder besuchen.

Bergsträßer Anzeiger
08. Mai 2007

Anmerkungen der Noteselhilfe:
Die Esel leben jetzt bei Norbert Glanzner, dessen Vater das Anwesen ausgesiedelt hatte......