Heike Wulke aus Nechern kümmert sich um hilfebedürfte Tiere
Heike Wulke ist auch die Vorsitzende des Noteselhilfe-Vereins in Nechern
(Landkreis Bautzen), den es mittlerweile seit zwei Jahren gibt. „In den
vergangen zwölf Monaten wurden 30 Tiere vermittelt“, freut sich die Frau über
das erfolgreiche Engagement des Klubs. Der Verein hatte im vergangenen Jahr
durch ein großes Eseltreffen erstmals auf sich aufmerksam gemacht (die
RUNDSCHAU berichtete).
„Der Aufwand bis zur endgültigen Vermittlung ist groß“, sagt die
Tierschützerin. Bevor ein Esel übergeben wird, schauen sich die
Vereinsmitglieder die Haltungsbedingungen vor Ort an. „Schließlich soll es den
Tieren gut gehen“, betont Heike Wulke. Auch später wird das neue Zuhause der
Vierbeiner noch kontrolliert.
Die Tiere haben eine ungewöhnlich hohe Lebenserwartung. „Sie werden oft mehr
als 40 Jahre alt und überleben deshalb teilweise ihre Besitzer“, nennt Heike
Wulke einen Grund, weshalb Esel immer wieder in Not geraten und sich Menschen
an den Verein wenden. Am häufigsten komme es jedoch vor, dass die Besitzer –
vor allem Kinder – das Interesse
an den Tieren verlieren. „Dabei sind Esel besonders liebenswert und treu“,
sagt die Frau.
Heike Wulke zog vor zehn Jahren mit ihrer Familie aufs Land. In dem kleinen
Dorf Nechern haben sie auf einem Bauernhof ein neues Zuhause gefunden. „Kurz
danach haben wir für unsere Tochter den ersten Esel gekauft“, erinnert sie
sich. «Sanny» ist heute praktisch ein Familienmitglied.
Der Eselnothilfeverein engagiert sich deutschlandweit und zählt mittlerweile
rund 50 Mitglieder. „Nachholbedarf haben wir vor allem noch in Brandenburg“,
sagt Heike Wulke. Hier fehlen Pflegestellen, die über einen gewissen Zeitraum
Tiere aufnehmen.
„Der Esel ist gerade als Geschenk in Mode gekommen“, bedauert die
Tierschützerin. Wie bei allen Tieren sind auch Esel zum Anfang klein und sehr
niedlich. Deshalb rät sie Interessenten sich vorher genau über eine
artgerechte Haltung zu informieren. «Die Vierbeiner benötigen eine Koppel und
einen Stall sowie Heu und ausreichend Nahrung.» Außerdem brauchen sie eine
Ausbildung, ähnlich wie bei Pferden, und gute Betreuung. Esel sind in der
Regel sehr ruhig, können aber auch ab und zu mal laut wiehern. „Vor allem
abends, wenn sie Hunger haben.“
Die Weide gegenüber vom Familiengrundstück ist schnell zum Dorfmittelpunkt
geworden. Kinder halten hier gern an, streicheln die Tiere oder füttern sie
mit frischem Gras. „Esel sind wesentlich ausgeglichener als Pferde und
strahlen viel Ruhe aus“, beschreibt Heike Wulke das Gemüt der Tiere. „Sie
lassen sich aber zu nichts zwingen, denken über jeden Schritt gründlich nach
und entscheiden selbst.“ Viele verwechseln ihr langsames Handeln mit Faulheit,
doch das sei nicht der Fall, betont Heike Wulke. „Die Tiere sind sehr schlau
und es dauert mindestens ein Jahr, ehe man ihr Vertrauen gewinnt.“ Sie hören
auch auf ihren Namen.
Von Lars Hartfelder
Lausitzer Rundschau
16.10.2007