Heike Wulke aus Nechern kümmert sich um hilfebedürfte Tiere

Ein Herz für in Not geratene Esel

Sanft steichelt Heike Wulke ihre alte Eseldame Sunny über den Kopf. Mit einem freudigen «Iah» dankt es ihr das Tier. Die 39-Jährige kümmert sich bereits seit einem Jahrzehnt um in Not geratene Esel- und Maultiere, da lag die Gründung eines Hilfevereins nahe.

Heike Wulke ist auch die Vorsitzende des Noteselhilfe-Vereins in Nechern (Landkreis Bautzen), den es mittlerweile seit zwei Jahren gibt. „In den vergangen zwölf Monaten wurden 30 Tiere vermittelt“, freut sich die Frau über das erfolgreiche Engagement des Klubs. Der Verein hatte im vergangenen Jahr durch ein großes Eseltreffen erstmals auf sich aufmerksam gemacht (die RUNDSCHAU berichtete).
„Der Aufwand bis zur endgültigen Vermittlung ist groß“, sagt die Tierschützerin. Bevor ein Esel übergeben wird, schauen sich die Vereinsmitglieder die Haltungsbedingungen vor Ort an. „Schließlich soll es den Tieren gut gehen“, betont Heike Wulke. Auch später wird das neue Zuhause der Vierbeiner noch kontrolliert.
Die Tiere haben eine ungewöhnlich hohe Lebenserwartung. „Sie werden oft mehr als 40 Jahre alt und überleben deshalb teilweise ihre Besitzer“, nennt Heike Wulke einen Grund, weshalb Esel immer wieder in Not geraten und sich Menschen an den Verein wenden. Am häufigsten komme es jedoch vor, dass die Besitzer – vor allem Kinder – das Interesse
an den Tieren verlieren. „Dabei sind Esel besonders liebenswert und treu“, sagt die Frau.
Heike Wulke zog vor zehn Jahren mit ihrer Familie aufs Land. In dem kleinen Dorf Nechern haben sie auf einem Bauernhof ein neues Zuhause gefunden. „Kurz danach haben wir für unsere Tochter den ersten Esel gekauft“, erinnert sie sich. «Sanny» ist heute praktisch ein Familienmitglied.
Der Eselnothilfeverein engagiert sich deutschlandweit und zählt mittlerweile rund 50 Mitglieder. „Nachholbedarf haben wir vor allem noch in Brandenburg“, sagt Heike Wulke. Hier fehlen Pflegestellen, die über einen gewissen Zeitraum Tiere aufnehmen.
„Der Esel ist gerade als Geschenk in Mode gekommen“, bedauert die Tierschützerin. Wie bei allen Tieren sind auch Esel zum Anfang klein und sehr niedlich. Deshalb rät sie Interessenten sich vorher genau über eine artgerechte Haltung zu informieren. «Die Vierbeiner benötigen eine Koppel und einen Stall sowie Heu und ausreichend Nahrung.» Außerdem brauchen sie eine Ausbildung, ähnlich wie bei Pferden, und gute Betreuung. Esel sind in der Regel sehr ruhig, können aber auch ab und zu mal laut wiehern. „Vor allem abends, wenn sie Hunger haben.“
Die Weide gegenüber vom Familiengrundstück ist schnell zum Dorfmittelpunkt geworden. Kinder halten hier gern an, streicheln die Tiere oder füttern sie mit frischem Gras. „Esel sind wesentlich ausgeglichener als Pferde und strahlen viel Ruhe aus“, beschreibt Heike Wulke das Gemüt der Tiere. „Sie lassen sich aber zu nichts zwingen, denken über jeden Schritt gründlich nach und entscheiden selbst.“ Viele verwechseln ihr langsames Handeln mit Faulheit, doch das sei nicht der Fall, betont Heike Wulke. „Die Tiere sind sehr schlau und es dauert mindestens ein Jahr, ehe man ihr Vertrauen gewinnt.“ Sie hören auch auf ihren Namen.

Von Lars Hartfelder

Lausitzer Rundschau
16.10.2007