Fridolin steht auf blonde Schönheiten
VON URSULA FREUDIG

Ankunft im Zentrum Pferdepunkt in Breitenfeld: Maultier Fridolin wird von Beate Merz (von links), Isabella Knecht und Claudia Meier in seine Box geführt
Männlich, klein, von schöner, zierlicher Statur und strotzend vor Selbstbewusstsein - die Rede ist von Fridolin, einem Maultier (Mulihengst). Seine Mutter ist eine Ponystute und sein Vater ein Eselhengst. Herausgekommen ist ein kleiner, gerade mal 107 cm großer Draufgänger mit Macho-Allüren. Demnächst wird Fridolin fünf Jahre alt. Esel können über 40 Jahre alt werden. Trotz seines jugendlichen Alters hat Fridolin schon eine bewegte Vergangenheit hinter sich, die über Internet-Maultierforen einer größeren Fangemeinde bekannt ist.
Am Wochenende wurden für Fridolins Zukunft die Weichen neu gestellt: Im Zentrum Pferdepunkt in Breitenfeld hat er ein neues Zuhause gefunden. Ein Jahr lang war Fridolin auf dem Hof von Beate Merz in der Nähe von Heidelberg. Bei ihr finden Esel der "Noteselhilfe" vorübergehend Aufnahme, bevor sie weiter vermittelt werden. Ihr verdankt es Fridolin, dass sein Leben nicht ein vorzeitiges Ende beim Metzger gefunden hat.
Ein Reitstall in der Nähe ihres Hofes hatte einen Hengst gekauft und Fridolin als "Beigabe" mitbekommen. Im Reitstall kam er erstmals in Kontakt mit einer Stute. "Fridolin muss total ausgeflippt sein, gebissen und getreten haben, so dass die Stute schwer verletzt wurde", erzählt Beate Merz. Um sein ausgeprägt triebiges Verhalten einzudämmen, ist Fridolin kastriert worden. Erst nach Monaten sei er ruhiger geworden, berichtet Beate Merz. Großes Interesse am anderen Geschlecht hat er aber noch immer. Als an seiner Box in Breitenfeld eine hellfellige Schönheit vorbeitrabte, schrie ihr Fridolin aus vollem Halse hinterher. "Er steht auf blond", kommentierte Beate Merz sein Verhalten. Der Abschied von ihrem kleinen Schützling fällt ihr schwer.
Isabella Knecht aus Rafz ist die neue Halterin Fridolins. Sie hat bereits ihr Maultier Mira im Pferdepunkt stehen. Zusammen mit Claudia Meier, der Inhaberin des Zentrum Pferdepunkt, wird sie die weitere Ausbildung Fridolins in Angriff nehmen.Eine kleine Kutsche soll er einmal hinter sich herziehen und Kinder sollen auf ihm reiten. Doch zunächst hat die schrittweise Integration von Fridolin in eine Gruppe mit sieben Pferden - Maultier Mira gehört ihr bereits an - Vorrang. Erste Schnupperkontakte gab es bereits. Während sich Mira zurückhaltend zeigte, bekundete Pferd "Clover" freundschaftliches Interesse. Zwei bis drei Wochen lang wird Fridolin allein in seiner großen Box bleiben müssen und zwischen Eisenstangen hindurch, seine zukünftige Gruppe kennen lernen. Claudia Meier wird ein wachsames Auge auf ihn haben. Ihre größte Sorge ist, dass sich Fridolin zu einem "Ausbrecherkönig" entwickeln könnte. Schließlich seien sogar Liebschaften über sieben Boxen hinweg schon vorgekommen.