gefunden in: Suedkurier.de vom 12.08.2009      Autor: Claus Bingold

Waldshut-Tiengen

Großes Wiedersehen mit kleinem Fridolin

 
 
Mini-Muli Fridolin hat nicht nur vierbeinige Freunde. Jeder, der ihn kennt, liebt den kleinen Maultier-Wallach. Das Bild zeigt Fridolin mit seiner Besitzerin Isabella Knecht (hinten rechts) und Stallbesitzerin Claudia Meier sowie den Kindern Leoni, Lara, Jolanda und Sofia. Bilder: Bingold

Auf dem Reiterhof „Zentrum Pferdepunkt“ in Breitenfeld ist der Kleinste der Größte. Die Rede ist von Fridolin, einem sechsjährigen Mini-Muli-Wallach, der gerade mal knapp über einen Meter misst. Welcher Beliebtheit sich das Maultier auf dem Reiterhof in Breitenfeld erfreut, war jetzt zu beobachten, als Fridolin zusammen mit der Maultierdame Mira von einem einmonatigen „Wanderurlaub“ in der Schweiz in seinen Heimatstall zurückkehrte.

Hatte Fridolin am Zoll noch alle Formalitäten souverän und ruhig über sich ergehen lassen, so gab es nach dem Verlassen des Transportanhängers auf dem Reiterhof kein Halten mehr. Zielstrebig eilte der Liebling des „Pferdepunktes“ auf seinen Stall zu, den er und Mira sich mit sechs Pferden teilen. Kaum tauchte Fridolin vor der Koppel auf, war es auch mit der Ruhe hinter dem Zaun vorbei.

Alle wollten Fridolin begrüßen und schienen nur darauf zu warten, ihn endlich in ihrer Mitte empfangen zu können. Als Fridolin den Stall betrat, kam richtig Bewegung in die Gruppe. Nach kurzem Beschnuppern begann eine wilde und ausgelassene Jagd über die weitläufige Koppel. Der kleine Fridolin im gestreckten Galopp, unterbrochen von Freudensprüngen, vorne weg und alle anderen hinterher. Man konnte deutlich spüren, dass etwas Besonderes passierte: Die Tiere auf der Koppel sind richtige Freunde.

Allerdings musste Claudia Meier, Chefin des Reiterhofes, nach der ersten Euphorie Rado, den fast doppelt so großen Wallach und eigentlich besten Freund von Fridolin, aus der Koppel nehmen, da beide, obwohl kastriert, stark auf das weibliche Geschlecht fixiert sind und sich das auch gegenseitig beweisen wollten. Die Freude über die Rückkehr Fridolins war nicht nur unter seinen Artgenossen groß. Leoni, Lara, Jolanda und Sofia, vier Mädchen aus der Schweiz, die auf dem Reiterhof den Umgang mit Pferden erlernen wollen, waren außer sich vor Begeisterung darüber, dass Fridolin wieder zuhause ist. Den Kleinen kennen sie bereits von einem früheren Aufenthalt und erklärten ihn zu ihrem Liebling. Die einmonatige Wandertour hatte Isabella Knecht mit ihren Maultieren Fridolin und Mira durch die Gebirgslandschaften Graubündens und des Toggenburger Landes geführt.

„Für Fridolin“, erzählt Isabella Knecht, „war es eine völlig neue Erfahrung. Der Flachländler bewegte sich in den Bergen, als hätte er nie etwas anderes getan. Während ich Mira auf kritischen Passagen führen musste, zeigte sich Fridolin absolut furchtlos. Ohne Hilfe überwand er selbst steilste Geröllhalden, und das auf dem direkten Weg. Als ich ihm zum ersten Mal den Packsattel auflegte, hatte ich das Gefühl, er sei richtig stolz, etwas arbeiten zu dürfen.“ Auch als er nach drei Wochen erstmals beschlagen wurde, meisterte er die neue Gehsituation mit gelassener BravourDabei sah es vor einigen Jahren gar nicht gut für Fridolin aus.

Lediglich der „Noteselhilfe“ ist es zu verdanken, dass Fridolin, der ein Alter von bis zu 40 Jahren erreichen kann, sein junges Leben nicht beim Pferdemetzger lassen musste.

Vor gut einem Jahr hat Isabella Knecht den Liebling des Reiterhofs gekauft und ihm in Breitenfeld eine neue Heimat unter lauter Freunden gegeben.

 Keine Probleme hatte Oliver Kleemann vom Zoll Waldshut mit dem kleinen Fridolin.