Auf dem Reiterhof „Zentrum Pferdepunkt“ in Breitenfeld ist der Kleinste der
Größte. Die Rede ist von Fridolin, einem sechsjährigen Mini-Muli-Wallach, der
gerade mal knapp über einen Meter misst. Welcher Beliebtheit sich das Maultier
auf dem Reiterhof in Breitenfeld erfreut, war jetzt zu beobachten, als
Fridolin zusammen mit der Maultierdame Mira von einem einmonatigen
„Wanderurlaub“ in der Schweiz in seinen Heimatstall zurückkehrte.
Hatte Fridolin am Zoll noch alle Formalitäten souverän und ruhig über sich
ergehen lassen, so gab es nach dem Verlassen des Transportanhängers auf dem
Reiterhof kein Halten mehr. Zielstrebig eilte der Liebling des „Pferdepunktes“
auf seinen Stall zu, den er und Mira sich mit sechs Pferden teilen. Kaum
tauchte Fridolin vor der Koppel auf, war es auch mit der Ruhe hinter dem Zaun
vorbei.
Alle wollten Fridolin begrüßen und schienen nur darauf zu warten, ihn
endlich in ihrer Mitte empfangen zu können. Als Fridolin den Stall betrat, kam
richtig Bewegung in die Gruppe. Nach kurzem Beschnuppern begann eine wilde und
ausgelassene Jagd über die weitläufige Koppel. Der kleine Fridolin im
gestreckten Galopp, unterbrochen von Freudensprüngen, vorne weg und alle
anderen hinterher. Man konnte deutlich spüren, dass etwas Besonderes
passierte: Die Tiere auf der Koppel sind richtige Freunde.
Allerdings musste Claudia Meier, Chefin des Reiterhofes, nach der ersten
Euphorie Rado, den fast doppelt so großen Wallach und eigentlich besten Freund
von Fridolin, aus der Koppel nehmen, da beide, obwohl kastriert, stark auf das
weibliche Geschlecht fixiert sind und sich das auch gegenseitig beweisen
wollten. Die Freude über die Rückkehr Fridolins war nicht nur unter seinen
Artgenossen groß. Leoni, Lara, Jolanda und Sofia, vier Mädchen aus der
Schweiz, die auf dem Reiterhof den Umgang mit Pferden erlernen wollen, waren
außer sich vor Begeisterung darüber, dass Fridolin wieder zuhause ist. Den
Kleinen kennen sie bereits von einem früheren Aufenthalt und erklärten ihn zu
ihrem Liebling. Die einmonatige Wandertour hatte Isabella Knecht mit ihren
Maultieren Fridolin und Mira durch die Gebirgslandschaften Graubündens und des
Toggenburger Landes geführt.
„Für
Fridolin“, erzählt Isabella Knecht, „war es eine völlig neue Erfahrung. Der
Flachländler bewegte sich in den Bergen, als hätte er nie etwas anderes getan.
Während ich Mira auf kritischen Passagen führen musste, zeigte sich Fridolin
absolut furchtlos. Ohne Hilfe überwand er selbst steilste Geröllhalden, und
das auf dem direkten Weg. Als ich ihm zum ersten Mal den Packsattel auflegte,
hatte ich das Gefühl, er sei richtig stolz, etwas arbeiten zu dürfen.“ Auch
als er nach drei Wochen erstmals beschlagen wurde, meisterte er die neue
Gehsituation mit gelassener BravourDabei sah es vor einigen Jahren gar nicht
gut für Fridolin aus.
Lediglich der „Noteselhilfe“ ist es zu verdanken, dass Fridolin, der ein
Alter von bis zu 40 Jahren erreichen kann, sein junges Leben nicht beim
Pferdemetzger lassen musste.
Vor gut einem Jahr hat Isabella Knecht den Liebling des Reiterhofs gekauft
und ihm in Breitenfeld eine neue Heimat unter lauter Freunden gegeben.