|
Bergsträßer Anzeiger - 12.04.2006
Mit alten Eseln kennt sich kaum einer richtig aus Lorscherin Pia Brunnengräber hat deshalb gemeinsam mit Tierfreunden eine Gruppe für Langohren in Not gegründet Lorsch. Wenn Pia Brunnengräber mit ihren Tieren durch Lorsch spaziert, zieht sie meist schnell die Aufmerksamkeit auf sich - und alle wollen ihre Tiere streicheln. Die Lorscherin ist Eselfreundin. Drei der inzwischen eher seltenen Haustiere - zwei Esel und einen Muli - leben bei der 26-Jährigen in der Biengartenstraße. Weil sich Pia Brunnengräber, die als Erzieherin in Alsbach arbeitet, in ihrer Freizeit sehr ernsthaft für Esel engagiert, hat sie jetzt gemeinsam mit anderen Tierfreunden zudem eine "Noteselhilfe" gegründet. Die Gruppe ist deutschlandweit aktiv. Hilfe haben die Langohren dringend nötig, ist die Lorscherin überzeugt. Denn Esel werden oft nicht artgerecht gehalten und von ihren Besitzern wegen mangelnder Kenntnisse nicht richtig gepflegt. Um Esel, die leiden, weil ihre Halter kein Geld, keine Zeit oder kein Interesse am sorgsamen Umgang mit dem Tier haben, kümmert sich nun die Noteselhilfe. Störrisch? Nein: schlau Die Gruppe kauft zwar keine Tiere frei. Aber sie vermittelt zum Beispiel Tierärzte, und Kooperationspartner oder hilft mit Spenden weiter. Vor allem aber gibt sie Informationen. Denn wer weiß schon, dass Esel nicht einfach Pferde mit langen Ohren sind? Dass eine pferdegerechte Haltung ihnen im Gegenteil schadet? Dass sie locker über 45 Jahre alt werden können? Dass sie zwar genügsam sind, aber Zuwendung und Beschäftigung brauchen und meist gerne auch akrobatische Kunststücke erlernen? Und dass sie keineswegs störrisch sind?"Esel haben, ähnlich wie Katzen, einen eigenen Charakter", erklärt Pia Brunnengräber. Wenn ein Esel stur wirkt, denkt er nur nach, meint die Lorscherin. Die Tiere sind nicht nur niedlich anzuschauen und ideale Seelentröster. "Esel sind schlau", ist sie sicher. Denn ein Esel gehorcht nicht auf Druck, er ist vorsichtig. Wer mit einem Esel arbeiten will, der muss sein Vertrauen gewinnen. Das ist harte Arbeit. Hat man es erworben, dann folgt das Tier seiner Vertrauensperson allerdings überall hin. Pia Brunnengräbers Esel sind Notesel. Sie haben in ihrem über 20jährigen Leben bei ihren Vorbesitzern einige weniger schöne Erfahrungen machen müssen. Es hat lange gedauert, bis Moritz, Mucki und Seppel so zutraulich wurden, dass sie Pia Brunnengräber problemlos auch in eine große Öffentlichkeit begleiten - zuletzt etwa bei der Palmsonntag-Prozession in Lorsch. Mehr als die drei Esel, die sie gerne bis zu deren Lebensende betreuen will, kann Pia Brunnengräber nicht aufnehmen. Schließlich sorgt sie nebenbei bereits noch für drei Schafe. Froh ist die Tierschützerin deshalb, dass ihre Familie - Pia Brunnengräber ist Enkelin der früheren Landwirte Daniel und Irmgard Brunnengräber - Verständnis für ihr Hobby hat und ihre Arbeit unterstützt. Wer die Noteselhilfe ebenfalls unterstützen möchte, kann das auch, ohne selbst Tierhalter zu sein. Mit dem Mitgliedsbeitrag von 20 Euro im Jahr in dem gemeinnützigen Verein beispielsweise. Willkommen sind auch Aktive, die bei Bedarf mit Material aushelfen können - mit einem Pferdeanhänger etwa. Wer mehr wissen möchte über Esel, kann sich auch bei Pia Brunnengräber melden. sch © Bergsträßer Anzeiger - 12.04.2006 |
|
Dieser Artikel erschien ebenfalls:
Starkenburger Echo - am Samstag, den 15.April 2006
Bergsträßer Wochenblatt - am Samstag, den 15. April 2006