Rocky ist ein kleiner Eselwallach

Rocky ist ein kleiner Eselwallach

Rocky ist ein kleiner Eselwallach, der schätzungsweise im Juli 2010 geboren wurde. Die wahren Gründe, weshalb der Kleine so früh von seiner Mutter getrennt wurde, haben wir leider nicht erfahren können.

Zu uns kam er im Februar 2011 als ein kleiner aufgeweckter gesunder Knabe, der viel Interesse an seiner Umwelt und den Menschen zeigte und natürlich auch noch sehr viel lernen musste. Er bekam in seiner Pflegestelle ganz altersgerecht das kleine 1 x 1 des Eselwissens beigebracht, wobei er täglich Fortschritte machte.

 Auf dem Eseltreffen der IGEM in Gütersloh hat Rocky bei der Zuchtbewertung der Wallache sogar den 1. Platz gewonnen 🙂

Was ihm zu seinem Glück jetzt noch fehlte, war ein gleichaltriger Spielgefährte, mit dem er spielen und toben und sich wie ein richtiger Esel entwickeln kann.

Auch diesen hat Rocky nun gefunden und zog am 21. August 2011 in sein neues Zuhause.

Pechvogel Joye

Pechvogel Joye

Joye ist unser großes Baby und schon ein Fernsehstar. Er hat in seinen Pflegestellen eine tolle Entwicklung gemacht. Als Fohlen von den Menschen liebevoll mit der Flasche gezogen, als heranwachsender Hengst viele Jahre ignoriert, liebt er Menschen trotz allem. Mit extremen Schnabelhufen kam er in eine Pflegestelle der Noteselhilfe, hat sehr schnell gelernt, die Hufe zu geben, um sich behandeln zu lassen. Er bekam von seiner Pflegerin das kleine 1×1 des Zusammenlebens zwischen Mensch und Esel beigebracht, von seiner neuen Eselherde alles, was Esel hier wissen muss. Und er hat sehr schnell gelernt. Mittlerweile läuft er brav am Halfter, sogar über kleine Hindernisse, lässt sich Putzen. Er genießt die Aufmerksamkeit und die Beschäftigung.

Einen Packsattel kann er tragen, auch wenn sein Rücken nicht so perfekt ist wie sein superhübsches Gesicht. Seinen ersten Fernsehauftritt hatte Joye bei Tiere suchen ein zu Hause“ beim WDR, den er ganz brav meisterte  ein Star halt. Der Karpfenrücken ist das einzige Relikt seiner früheren schlechten Haltung, behindert ihn nicht und er hat keinerlei Schmerzen und ist besonders als Wanderesel geeignet.

Der Pechvogel Joye war erstmals 2008 bei uns in der Vermittlung. In seinem ersten Zuhause konnte er leider nicht bleiben, da der dort lebende Eselwallach sehr dominant war und ihn ständig tracktierte. Im August 2010 fand er dann ein neues Zuhause, doch leider ist der dort mit ihm lebende Esel verstorben und so kam er wieder zu uns zurück. Leider bekamen wir dann die Nachricht, dass Joye nicht dauerhaft in seiner nächsten Pflegestelle bleiben konnte.

Wir suchten daher nun wieder einen Platz für ihn, der dann wirklich SEIN Platz sein sollte.

Joye ist ein netter Esel, der viel Aufmerksamkeit, Liebe und Beschäftigung braucht und einen Eselkumpel.  Er gibt brav die Hufe, läuft am Halfter, lässt sich putzen…, also alles, was ein wohlerzogener Esel können sollte. Im Mai 2011 zog Joye nun erneut in ein neues Zuhause und wir wünschen Ihm von ganzem Herzen, dass er diesmal Glück hat!!!

Wie ich Eselfreundin wurde

Ich möchte behaupten, dass ich zur Eselhaltung wie die Jungfrau zum Kinde kam und das hing mit unserem Umzug in den Westerwald zusammen. Eine Ahnung davon, wie sehr ich schließlich dem Charme von Eseln erliegen würde und wie immens meine Liebe zu speziell diesen Tieren wachsen würde, hatte ich da noch nicht…

Der Vorbesitzer der zum Verkauf stehenden Immobilie, die wir im Herbst 2007 besichtigten, hielt auf seinem 2,3 ha Grundstück zwei Kamerunschafe, vier Laufenten und eine Eselstute, die nach seiner Wunschvorstellung möglichst von den Käufern mit übernommen werden sollten. Er hätte sich sonst nach einem Platz für all die Tiere umsehen müssen.

Als Tierfreundin hatte ich mir für meine bisher gehaltenen vier Hunde mit Jagdtrieb ein Haus mit großem Grundstück gewünscht, dass es den Vierbeinern ermöglichen sollte, auf einem großen eingezäunten Areal ohne Leine toben und rennen zu können. Und es sollte mir auch die Option offen stehen, dort andere Tiere zu halten als Hunde. Da sich abzeichnete, dass wir den Zuschlag für dieses Domizil mitten im Westerwald bekommen würden, begann ich sofort, mich über die Bedürfnisse der jeweiligen Tierarten – Kamerunschafe, Laufenten und Esel – zu informieren, stöberte dafür im Internet und kaufte mir Fachbücher. Die artgerechte Haltung der relativ anspruchslosen Kamerunschafe und der Laufenten war im Großen und Ganzen gegeben, da Schafe ohne Schaden zu nehmen, ganztägig weiden dürfen und für die Laufenten auf dem Grundstück ein großer Teich zur Verfügung steht.

Eselstute Luisa

Sorgen machte mir allerdings der Zustand der Eselstute Luisa, die offensichtlich viel zu fett war und außerdem ohne Artgenossen auskommen musste. Von der beschwichtigenden Aussage des Vorbesitzers, Luisa habe sich an die Gesellschaft der Schafe gewöhnt und es fehle ihr nichts, ließ ich mich genau so wenig beirren, wie von seiner „humorvollen“ Anspielung auf ihre gewaltigen Fettpolster, die ihn veranlassten, Luisa als ein „Rubensmodell“ zu bezeichnen. Auch ihre Hufe trugen, wie ich heute weiß, schon deutliche Anzeichen einer durchgemachten Hufrehe…

Was ich in Marisa Hafners Fachbuch „Esel halten“ gelesen hatte war eindeutig – für die Haltung von Eseln war zwar der Platz sowohl an Weide wie auch im Stall gegeben, doch war die über Jahre viel zu energiereiche und ganztägig zugängliche Ernährung mit dem Waldwiesengras verantwortlich für Luisas Verfettung. Es gab keinen Trockenplatz, der ebenso Voraussetzung für gesunde Hufe ist, und der Stall erfüllte zwar seinen Zweck, entsprach aber nicht den heute angemessenen Bedingungen für die Pferde- oder Eselhaltung, da er viel zu dunkel ist und nur wenig frische Luft herein lässt. Darüberhinaus erwies sich wie ich später fest stellen sollte, das Sauberhalten dieses Stalls als schwierig.

Da für mich persönlich Tierliebe mehr bedeuten muss, als das oberflächliche „Verliebtsein“ in eine bestimmte Tierart, weil mehr dazu gehört als ihre Versorgung mit Futter und Wasser, stand für mich fest, dass ich, wenn ich mich dafür entschied, Esel zu halten, die Schaffung aller Voraussetzungen für eine artgerechte Haltung mich nicht nur viel Arbeit, sondern auch viel Zeit und Geld kosten würde.

Wahrscheinlich hätte ich mit viel Improvisation, Luisa während unserer Vorbereitungen weiter auf dem Grundstück halten können, doch ihr zuliebe entschied ich mich dafür, sie während dieser Zeit auf einer Pflegestelle unter zu bringen, wo sie bis zur Fertigstellung unserer Esel-Anlage schon zwei wichtige Voraussetzungen für die Eselhaltung vorfinden würde, nämlich Eselgesellschaft und eine andere Fütterung, die dazu beitragen würden, dass sie langsam an Gewicht verlieren kann – auch wenn sie ein Idealgewicht wahrscheinlich nie mehr erreichen wird.

Kontaktaufnahme zur Noteselhilfe

Selbst schon Jahre im Tierschutz engagiert, kam mir zuerst die Kontaktaufnahme zu einem entsprechenden Verein in den Sinn und ich fand über das Internet die Noteselhilfe. Heike Wulke, die 1. Vorsitzende, half mir schnell und unkompliziert und konnte mir innerhalb weniger Wochen eine Pflegestelle bei Ursel Lichius nennen, deren Landhaus sich in Hömberg, einem Ort nur etwa zehn Kilometer von uns entfernt befindet.

Beiden Frauen möchte ich auch an dieser Stelle noch einmal von ganzem Herzen für Ihr Engagement danken, dass mich dazu ansporte, Mitglied bei der Noteselhilfe zu werden.

Luisa wurde mit Hilfe von Paul Linscheid, Ursel Lichius Bruder und Biobauer, im November 2007 transportiert und kehrte im Mai 2008 zurück. Innerhalb dieser Monate planten wir die Esel-Anlage und richteten uns dabei nach den Möglichkeiten, die Marisa Hafner in ihrem Buch unter Abwägung aller Vor- und Nachteile beschreibt.

Mir gefiel die Idee eines Trockenplatzes in Form eines Paddock mit einer Tretschicht aus Sand. Bei der Umsetzung half uns der Gartenbauer, der auch den großen Auslauf für die Hunde einzäunte. Vor dem Stall ließen wir eine Fläche von 200 m2 mit einem Gefälle von 2% auschachten und für die Drainageschicht mit Schottergeröll auffüllen und verdichten. Als Tragschicht wurden DWS-Rasterplatten verlegt und zum Schluss wurde gewaschener Flussand darauf verteilt. Als Unterkunft für die Esel entschied ich mich für den Aufbau einer zu drei Seiten geschlossenen Weidehütte, die wir neben dem alten Stall aufbauten. Das ganze Paddock zäunten wir mit Equisafe-Zaunelementen ein, die im Laufe diesen und nächsten Jahres auch die große Weide in drei Koppeln eingrenzen werden. Die einzelnen Koppeln lasse ich im Wechsel beweiden, was der Weidehygiene, der Erholung der einzelnen Flächen und der Eindämmung von Wurmparasiten dienlich ist. Die Fertigstellung der Koppeln wird jedoch sicher nicht mehr dieses Jahr umzusetzen sein…

Als Stallboden verlegten wir quadratische Softmatten, die Einstreu überflüssig machen (was Kosten und Arbeit spart) und die sehr gut sauber zu halten sind, was ich sehr zu schätzen lernte, nachdem die Esel bis zur Fertigstellung der Weidehütte übergangsweise im alten Stall untergbracht waren. Dort war es aufgrund einer Konstruktion mit die Stallfläche unterteilenden Querbalken doch so eng, dass besonders Luisa immer gezwungen war, über Nacht inmitten des mit Kot und Urin vermischten Einstreus zu stehen. Dieser Zustand hielt glücklicherweise nur zwei Wochen an.

Luisa zur Gesellschaft hätte ich gern einen Esel über die Noteselhilfe beigestellt, doch leider gab es zu dieser Zeit keinen Esel in Not (zum Glück für die Esel). Ich suchte im weiter Internet und fand die Verkaufsanzeige für Pepino. Er gefiel mir, weil er wie Luisa ein Großesel ist und mit seinem braunen Fell einen schönen Kontrast zu ihrem weißen bildet. Nachdem wir ihn angeschaut hatten, stand fest, dass er bei uns einziehen würde, sobald die Anlage fertig war.

In der Zwischenzeit kaufte ich Klein-Utensilien wie Putzkiste, Putzzeug, eine zweite Heugabel, Rechen und Sieb für den Sand, Besen, Schrubber, Handfeger und Kehrschaufel, Mineralfutter. Eine stabile Kiste zum Sammeln der Esel-Äppel fand ich noch im Schuppen neben der Garage, genauso wie eine weitere als vorerst provisorische Tränke. Ein Wasser- und bei Bedarf auch Stromanschluss ist praktischerweise am alten Stall vorhanden. Für die Unterbringung all dieses Zubehörs dient mir nun der alte Stall.

Als schließlich Anfang Juni beide Esel Zuhause waren, stellte sich heraus, dass ich mit der Entscheidung für eine Sand-Tretschicht den Eselgeschmack getroffen hatte. Beide Langohren lieben es, sich im Sand zu wälzen oder einfach dort zu liegen und sich die Sonne auf den Pelz scheinen zu lassen. Besonders das Wälzen im Sand ist sehr beliebt und Luisa probierte dies gleich nach ihrer Rückkehr genüßlich und ausgiebig.

Noch dazu ist unser Hufpfleger der Meinung, dass der Sand auch den Hufen gut tut, weil er Feuchtigkeit speichert ohne zu nass zu sein und die Hufe immer schön ausreibt, was ich nach der regelmäßigen Pflege bestätigt finde.

Es gab nun nur noch ein „Problem“ zu lösen. Der Heuvorrat aus Beständen des Vorbesitzers ging zur Neige. Nach gründlicher Inspektion des alten Stalls, der neben der Unterkunft für die Schafe auch Platz als Heulager bieten sollte, stellte sich als zu klein für die riesigen Bioheuballen heraus, die ich über Herrn Linscheid beziehen wollte. Sie passen einfach nicht durch den Stalleingang. Noch dazu ist der alte Stall der zusammen mit der Weidehütte eine Seite des Paddock schließt, nicht gut anzufahren, sodass wir bei der Anlieferung auf große Schwierigkeiten stoßen würden.

Die Idee eine weitere Weidehütte als Heulager aufzustellen, erwies sich als unpraktikabel, da für sie Platz nur am anderen Ende des Grundstücks, in der Nähe des Wohnhauses vorhanden wäre. Ich hätte also täglich mehrmals den Futtervorrat zur Eselanlage tragen müssen. Wir haben uns deshalb entschlossen, den alten und dunklen Stall mit seiner ungünstigen Aufteilung umbauen zu lassen. Die vormals als Unterkunft für die Esel gedachte Weidehütte wird nun Heulager und Unterstellplatz für Putz- und sonstiges Zubehör. Diese Weidhütte kann dann seitlich geöffnet werden und ist somit für die Einlagerung des Heuvorrats anzufahren.

Ich habe nicht geahnt, welch innige Beziehung man gerade zu Eseln aufbauen kann, die jeden Morgen und auch tagsüber regelmässig auf mein Erscheinen warten, sich jedes Mal mit ihren typischen Esellauten freuen und herantraben, mich an stubsen und sich gerne schmusen und pflegen lassen : ) – da ist all die Arbeit und Mühe, die mit der Eselhaltung einhergeht reine Nebensache und kaum der Rede wert. Oder doch : ich finde sogar, dass sie einen Riesen-Spaß machen!

von Susanna 

Maultierwallach Kaschmiri

Maultierwallach Kaschmiri

Kaschmiri hat schon einige Besitzerwechsel hinter sich. Die genaue 12jährige Geschichte ist uns leider nicht bekannt. Sicher ist nur, dass er bislang weder eine richtige Erziehung und Ausbildung genossen hatte noch Veranlassung hatte, dem Menschen zu vertrauen.

Er wurde von seinen letzten Besitzern, die absolut keine Erfahrung mit Equiden hatten, als sehr ängstlich, zurückhaltend, aber auch neugierig beschrieben. Er ist absolut nicht bösartig, kein Beißen und Schlagen.

Um überhaupt heraus zu finden, wie Kaschmiri drauf ist, wo seine Probleme liegen, haben wir uns entschlossen, ihn vorübergehend in einer Pflegestelle unterzubringen. Kaschmiri konnte hier lernen, dass Menschen ihm nichts Böses wollen, das Putzen gar nicht so schlimm ist und beim Hufegeben kein Bein abgerissen wird. Das alles konnte er zwar noch nicht genießen, aber er lernte, dass es so schlimm nicht ist. So konnte nach einiger Zeit auch der Zahnarzt ran, um die notwendige Behandlung durchzuführen. Mehr wollten wir ihm anfänglich nicht zumuten.

Es zeichnete sich ab, dass Kiri, wie er in der Pflegestelle liebevoll genannt wurde, sehr lange brauchen wird, um ganz entspannt den Umgang mit Menschen genießen zu können. Somit stellten wir natürlich an die neuen Besitzer ganz besondere Ansprüche und stellten uns darauf ein, dass sich die Vermittlung sehr lange hinziehen wird. Aber am Ende ging alles schneller als gedacht. Durch Zufall erfuhren Pony- und Pferdehalter aus der Lausitz von Kiri, schauten sich die Bilder und die Beschreibung an und stellten fest, dass dieser Kerl genau zu ihren Ponys passen würde.

Nachdem die Vorortbesichtigung positiv verlaufen ist, folgten sie einer Einladung auf den Eselhof nach Nechern, um erst einmal Kontakt mit Mulis aufzunehmen und die Unterschiede zu Ponys herauszufinden. Auch dieser Termin verlief äußerst positiv, entspannt und auch unterhaltsam, trieben doch die Necherner Mulis erstmal ihre eigenen Spiele mit den fremden Leuten. Die Interessenten haben bislang sehr viel Erfahrung mit verhaltensauffälligen Ponys aus zweifelhaften Haltungen, so dass der Sprung zum Muli nicht so groß ist. Nach diesem Termin stand ihre Entscheidung endgültig fest – sie werden Kaschmiri übernehmen.

Mittlerweile steht er seit fast 14 Tage in seinem neuen Stall, hält die Ponyherde auf Trab und geht mit seinen neuen Menschen schon spazieren. Er ist natürlich nach wie vor sehr vorsichtig, unternimmt aber ab und an schon selbst Annäherungsversuche. Die neuen Besitzer freuen sich auf die Herausforderung und sind einfach nur begeistert von Kaschmiri – Mensch und Tier glücklich.

Fridolin erobert Kinderherzen

Fridolin erobert Kinderherzen

Alle lieben Fridolin: Im Zentrum Pferdepunkt in Breitenfeld hat Maultier Fridolin nicht nur ein neues Zuhause gefunden, sondern auch viele Herzen im Sturm erobert. Halterin Isabella Knecht kommt mehrmals die Woche aus Rafz, um mit Fridolin zu üben.

Seit gut zwei Monaten ist Maultier Fridolin jetzt auf dem Reiterhof „Zentrum Pferdepunkt“ in Breitenfeld. Der von der Noteselhilfe vermittelte Fridolin hat sich gut in eine Gruppe mit sechs Pferden und einem weiteren Maultier integriert.

Die Hoffnung, dass Fridolins ausgeprägte Vorliebe für das weibliche Geschlecht durch die erfolgte Kastration in ruhigere Bahnen gelenkt wird, scheint sich aber vorerst nicht zu erfüllen. Vor kurzem hat eine rossige Stute Fridolin alle Zurückhaltung vergessen lassen. „Er hat versucht, sie zu decken, weil es nicht geklappt hat, ist er wütend geworden“, berichtet Claudia Meier vom Zentrum Pferdepunkt. Es kam zu einer Beißerei mit glimpflichem Ausgang. Die Hormone sollen aber laut Tierarzt nicht Schuld sein. „Es ist, wie wenn ein Schalter in seinem Kopf umgelegt wird und dann ist er nicht mehr er selber“, meint Claudia Meier.

Vier Mal hat der Tierarzt Fridolin Blut abgenommen. „Es brauchte viel Überzeugungskraft, dass er das mit sich machen lässt“, erzählt Isabella Knecht aus Rafz. Ihr gehören Fridolin und Mira, das weitere Maultier in Fridolins Gruppe. Jetzt läuft ein Versuch, Fridolins allzu forsches Verlangen mit homöopathischen Mitteln und Bachblüten zu beeinflussen. Ansonsten ist Fridolin eine Seele von Maultier. Allerdings mit ausgeprägtem eigenen Willen: „Wenn er nicht will, hilft keine Gewalt, man muss ihn 100 Prozent überzeugen“, beschreibt Isabella Knecht seinen Charakter.

Beim Hufschmied war keine Überzeugungsarbeit nötig: Fridolin hat sich beim Ausschneiden seiner Hufe vorbildlich benommen und macht auch sonst große Fortschritte. Mehrmals in der Woche kommt Isabella Knecht nach Breitenfeld, um mit ihrem Schützling zu arbeiten. Handpferdereiten klappe schon ganz gut: Isabella sitzt dabei auf Mira und führt Fridolin am Seil neben sich her. Ohne Widerwillen steigt er auch schon mal auf ein kleines Podest. Im Moment übt Isabella, Fridolin an der Doppellonge im Kreis zu führen. Das richtige Maß an Bestimmtheit und noch mehr Feingefühl ist dabei nötig: „Fridolin ist schon einer, der überlegt, wie kann ich mich davor drücken“, meint Isabella Knecht.

Ursula Freudig

Die Geschichte von Ex-Notesel Benjamin

Die Geschichte von Ex-Notesel Benjamin

geschrieben von Theresa Lichtenstern

„Theresa, schau mal bitte… Der schaut aus wie Oskar! Das ist doch ideal zum Kutsche fahren!“

Ein paar Telefonate und Emails später war Benjamin, einer der ersten Notesel, vermittelt. Schon wenige Tage später konnten wir den kleinen Kerl aus dem Schwarzwald abholen. Dort stand er auf einem Reiterhof in einer extra abgetrennten, geräumigen Box und schaute die Hofeinfahrt hinab.

Eigentlich schien er auf den ersten Blick gar kein Esel in wirklicher Not zu sein, doch die Besitzerin klärte uns auf: Kurz nach der Entwurmung bekam er Hufrehe und musste täglich intensiv versorgt werden. Die Besitzerin wollte ihn schließlich weggeben, weil er noch dazu von der Koppel ausbrach und über den ganzen Reiterhof schrie. Außer einer leichten Fehlstellung an der Fesselung, inzwischen vom Familien-Hufpflege-Papa behoben, schien er gesund, also wurde er verladen und wohnt seitdem zusammen mit Oskar in Pitzling bei Landsberg.

Dort angekommen durfte er seine neuen Stallkollegen erst einmal aus der Quarantäne betrachten, doch schon bald musste er sich im Offenstall seinen Platz in der Hütte selbst behaupten (was ihm ganz vorzüglich gelingt); wenn Benjamin Hunger hat, kann er auch die Kaltblüter vom Heu vertreiben.

Anfang August 2006, kurz nachdem Benjamin zu uns gekommen ist, sollte er erst einmal Vertrauen zu uns fassen und so waren wir oft mit ihm spazieren.  Doch schon stand das Eseltreffen in Forst vor der Tür: Benjamin war natürlich auch von Anfang an mit dabei, wenn auch im ersten Jahr mangels Übung nur im Hindernisparcours.

Wieder zu Hause haben wir ihn aber auch gleich an die Aufgaben eines aktiven Familien-Dorf-Esels gewöhnt. Noch in den Sommerferien waren wir drei Tage auf dem Weg zu Verwandten in Marktoberdorf, als sich plötzlich herausstellte, dass der angeblich schon fünfjährige Esel noch Zähne verlor! Wir schätzten Benjamin auf drei bis vier Jahre und haben das auch bei seiner weiteren Ausbildung und bei der Belastung berücksichtigt. Das für Winter geplante Einfahren musste verschoben werden, so mussten dann bei einem Familienwochenende auf der Starkatsgund bei Immenstadt doch wir ein Teil von seinem Gepäck hoch tragen. Aber dafür blieb genug Zeit noch einen Fahrkurs („Kutschenführerschein“) mit Abzeichenprüfung zu absolvieren.

Benjamin war so brav, dass er am langen Strick als Kutschen- und Reitbegleitesel auch nebenher laufen durfte. Wer sich jetzt denkt „der arme Esel!“ liegt falsch, für Benjamin gab es nichts Schöneres als im gestreckten Galopp vor meinem Paint Horse herzu rennen oder mit Oskar ein Wettrennen zu starten. Das wirkte sich natürlich positiv auf seine Figur, besonders die Bemuskelung aus.

Benjamin und Oskar dürfen jedes Jahr beim Martinsgänseausteilen helfen, den Palmsonntagsumzug anführen oder in der „lebendigen Krippe“ mitmachen.

So vergingen zwei Jahre, bis wir schließlich im Sommer 2008 angefangen haben beide Esel zunächst einspännig anzuspannen. Es gab zwar zu Beginn ein paar Probleme das passende Geschirr zu finden, doch mit der nötigen Ruhe und unserer Erfahrung von den Pferden konnten wir die beiden nach drei Monaten Einzelausbildung schon zweispännig fahren. Seitdem kommt in Pitzling der Nikolaus nicht mehr mit Rentieren, sondern mit Eseln durchs Dorf gefahren.

Im Frühling 2009 ist Benjamin dann auch noch Ziehpapa geworden: Der „kleine“, neun Monate alte Großeselhengst „Krümel“ kam zu uns. Benjamin passt auf ihn auf, wenn er schläft und Krümel folgt ihm auf Schritt und Tritt über die Koppeln, und weicht selbst neben der Kutsche nicht von ihm.

Benjamin und Oskar haben vor der Kutsche so gut mitgearbeitet, dass wir auf dem Eseltreffen in Forst 2009 bereits im Fahrwettbewerb antreten konnten. Zusammen mit Führklasse und Zuchtbewertung  reichte die Gesamtpunktzahl für einen überraschenden Doppelmeistertitel: bundesweit wurde Benjamin Bester Wallach und Oskar Bester Hengst 2009! Außerdem wurde Benjamin noch Dritter in der Zuchtbewertung und erreichte Zuchtwertklasse I.

Benjamin mauserte sich in nur drei Jahren vom ersten Notesel bis zum Deutschlandsieger und wir hoffen, dass wir noch viele lange Jahre Freude mit ihm haben werden. Jetzt müssen wir erst einmal wieder trainieren: Anfang Oktober steht eine Streckenfahrt zusammen mit Pferden auf dem Programm, und wir wollen ja schließlich nicht als langsame, sture Esel, sondern als Deutschlandsieger gesehen werden! 😉